Italienische Rosmarin Crescenze

Crescenze mit Rosmarin

Posted by on May 6, 2013 in Geschichten und Reisen, Pikantes, Wien

Knabber-Crescenze

frischer Rosmarin

Adaptiert von Anna Moroni aus der Prova del Cuoco.

Crescenze sind kleine knusprige Teigstreifen, die man zum Aperitiv knabbern kann, als Begleitung zu einem Glas Wein, mit Oliven, Cacciatore-Salami (die groben, kleinen, köstlichen italienischen Salamistangen!), mit meinen eingelegten Paprika-Streifen, mit Gorgonzola, mit reifen Tomatenvierteln und einem Basilikumblatt mit Zahnstochern festgesteckt ….

Auch weicher Käse wie Stracchino oder Chèvre sind köstlich dazu!

Crescenze mit Schleife

Diese Crescenze ähneln vom Geschmack den duftenden Grissini, die man in Italien frisch beim Bäcker kaufen kann. Sie sind schnell und unkompliziert herzustellen. Wer sie jemals gemacht hat, der kauft nie wieder Grissini im Supermarkt. Ausser man hat keinen Backofen oder so gar keine Zeit.

Sie heissen Crescenze, weil das Wort ‘crescere’ = aufgehen, gross werden drinsteckt.

Mehr weiss ich auch nicht dazu.

Sehr wohl aber weiss ich, wie ich zu diesem Rezept kam. In Italien gab es immer eine Kochsendung, so etwa um 12 Uhr mittags: Sie hiess und heisst ‘ LaProva del Cuoco’.

Das Zielpublikum waren vor allem kochende italienische Mammas, die mit angeschaltetem Fernseher sich und ihre Kinder während der Zubereitung des Mittagessens bei Laune halten wollten.

Und ich sag’s gleich: Ich war, obwohl mittlerweise Fernseh-Abstinenzler,  ein glühender Fan.

Die Präsentatorin, Antonella Clerici, ist mir in diesen Jahren soooo ans Herz gewachsen! Ich habe (Fernsehen bildet!?) viel dort gelernt.

In der Mitte der Sendung trat dann (ich weiss, Nacherzählungen von Filmen oder, noch schlimmer, Fernsehsendungen sind sowas von öd! Ich werde mich kurz fassen…) der heimliche Star auf, und zwar in Person von Anna Moroni, dem Inbegriff einer italienischen Grossmutter. Äussert vital, liebenswert, witzig, nicht ohne modischen Pep, zwar  mit einer schrecklichen Stimme, aber vor allem mit tausend einfachen, tollen Rezepten und einem nicht enden wollenden Schwall an Tipps und Tricks gesegnet.

Rezepte-Heft-Italien

Ich habe Anna Moronis Rezepte oft, rechtzeitig mit Bleistift und Rezeptheft bewaffnet, mitgeschrieben, in einer abenteuerlichen Mischung  von Italienisch und Deutsch, mit nur mir bekannten Abkürzungen gespickt. Dieses Heftchen ist mir vor kurzem wieder in die Hände geraten und ich habe einige gute Rezepte wiederentdeckt.

Allora, was brauchen wir für die Crescenze?

Zutaten:

  • 250 gr Mehl (z. B. helles Dinkelmehl)
  • 1 schwacher Teelöffel Trockenhefe
  • 5 gr Salz
  • 25 gr Schmalz
  • 35 gr Olivenöl
  • 100 gr warmes Wasser
  • ca. 2 El Rosmarin
  • grobes Meersalz zum Bestreuen

Alles-zusammen-Mischen

Zubereitung:

Den Rosmarin fein hacken, oder getrockneten, schon zerkleinerten verwenden.

Das Mehl (Sieben ist unnötig!) mit dem Trockenhefepulver vermischen, Salz dazu geben, alle weiteren Zutaten beimengen und schön verkneten, so wie man’s eben bei einem guten Germteig macht.

Trockenhefe

Das Wasser, das beigegeben wird, soll handwarm, aber nicht heiss sein, weil heisses Wasser die Hefebakterien zerstört und der Teig dann nicht aufgehen wird!

Germteig 2

Je mehr man knetet, desto besser wird das Ergebnis. Bei dieser Teigmenge ist das flott erledigt und kinderleicht.

Teig-Kneten

Immer wieder, wie auf dem Photo, mit dem Handballen ausrollen und kneten, ausrollen und kneten. Ich würde keine Küchenmaschine dazu verwenden, die Abwascherei dauert länger als das Herstellen des Teiges!

Teig-Kugel

Dann mindestens eine halbe Stunde aufgehen lassen. Ich schalte dazu den Backofen kurz bei 200°C an und stelle dann den Teig in diese lauschige Höhle. Wer eine Mikrowelle hat, der kann sie für ein paar Minuten leer auf höchster Stufe laufen lassen und danach den Teig drin aufgehen lassen. Hat denselben Effekt.

Germteig

Ich mache diesen Teig an einem Sonntag, und zwar gemütlich nach dem Frühstück, lasse ihn einfach allein zurück und begebe mich auf einen Spaziergang.

So gehe ich dem Teig nicht auf die Nerven, indem ich alle 15 Minuten nachsehe, ob er denn eh’ planmässig aufgeht…

Wenn ich, so wie gestern, von der Sonne, den Fliederdüften, und dem Gesehenen beglückt, dann wieder zu Hause eintrudle, hat sich diese schöne kleine Teigkugel bestens entwickelt und ich kann zur Tat schreiten.

teig-auf-kuechentuch

Den Ofen auf ca. 180 °C vorheizen.

Back-Utensile

Ein wenig Mehl auf die Arbeitsfläche sieben. Sodann den Teig ausrollen, ca. 2 mm hoch.

Bemehlen-der-Arbeitsflaeche

Auswalken-des-Teiges

Streifen von ca. 2×7 cm ausradeln (mit dem Zickzack-Roller, sonst behilft man sich mit einem Messer).

Ausradeln

Mit einem scharfen Messer kleine Schlitze machen (siehe Photo) und auf ein Backblech mit Backpapier legen. Dabei ein bisschen auseinanderziehen, damit die Schlitze sich leicht öffnen. Mit groben Salz bestreuen.

Fleur-de-Sel

Crescenze-mit-fleur-de-Sel

ausgeradelte-Crescenze

Ab-in-den-Backofen

Im Ofen ca. 10 Minuten backen, oder bis sie leicht gebräunt sind.

Mein Versprechen:

Der Duft ist unwiderstehlich! Es riecht wie in einer Bäckerei in einer kleinen Gasse von Florenz! Es riecht nach Sommer, Italien, Dolcefarniente, Vespafahren, Eros Ramazotti hören!

Nachsatz zu meinem Sonntags-Spaziergang: Meine Wege führen mich alljährlich im Frühling, anlässlich der Fliederblüte, zum St.Marxer Friedhof in Wien.

Es heisst, dass dort die grössten Fliedergründe von Wien wären, wer weiss…

Es ist ein wunderschöner, historischer, sehr romantischer, natürlich etwas morbider Ort, der aber von der Stadt Wien als Park geführt wird und dem nicht einmal die daneben und darüber hinwegtosende Tangente sein stilles, feines, einzigartiges Flair nehmen kann.

Schreib-mir-etwas-ich-warte!

Die schönsten Gräber stammen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und sind in wunderbar klarem, klassizistischen Stil gehalten. Es ist der einzige Biedermeierfriedhof in unseren Breiten, der in diesem Ausmass noch erhalten ist. 1874 als Friedhof geschlossen, steht er heute unter Denkmalschutz.

Flieder-und-Graeber-St

Mozart fand sein erstes Grab hier, einzig von seinem Weggefährten und Komponisten Johann Georg Albrechtsberger und seiner Frau begleitet.

Weiters der Prater-Unternehmer Calafati, der Erfinder der Nähmaschine Josef Madersperger, der berühmte Barock-Bildhauer Raphael Donner, der Biedermeier-Maler Peter Fendi, der grosse klassizistische Architekt Josef Kornhäusel (der seine Spuren eindrucksvoll in Baden bei Wien, der Biedermeierstadt par excellence, heute von bösen Zungen auch Pensionopolis genannt, aber auch an vielen Orten in Wien hinterlassen hat) und nicht zuletzt Josef Strauss, Bruder des noch berühmteren Johann sowie auch Michael Thonet, seines Zeichens Wiener Möbelfabrikant und Erfinder der Bugholz-Methode!

Da wir am Vortag einen Ausflug nach Baden unternommen hatten, schloss sich der Kreis mit diesem Besuch in St. Marx!

Lanner-und-Strauss

Ein-Bluemchen

Mozart-Tempel-Baden

Barocke-Saeule-Baden

Und, ja…, der Flieder war wieder so betörend, wie er in all den vergangenen Jahren schon gewesen war…

Flieder

Spaziergang-in-St

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3 Comments

  1. Caprese Torte • Die Erdbeere
    December 16, 2015

    […] Crescenze […]

  2. Torta della Nonna • Die Erdbeere
    April 17, 2016

    […] sie kommt aus Florenz, aus der Toscana, wie so viele andere gute Sachen […]

  3. Köstliche Herbst-Muffins mit einer saftigen Birnen-Joghurt-Füllung
    November 7, 2016

    […] Ein Städtchen, so elegant und heimelig zugleich, das es ich und fast alle Wiener einfach lieben und in treuer Verbundenheit von Zeit zu Zeit immer wieder dorthin kommen. […]

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